Objektivität


Objektivität

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Ob|jek|ti|vi|tät 〈[ -vi-] f. 20; unz.〉 objektive Beschaffenheit, Allgemeingültigkeit, objektive Betrachtungsweise, Sachlichkeit, Vorurteilslosigkeit; Ggs Subjektivität

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Ob|jek|ti|vi|tät, die; -, -en:
1. <o. Pl.>↑ objektive (2) Darstellung, Beurteilung o. Ä.:
wissenschaftliche O.
2. (bes. Philos.) etw., was objektiv beurteilt werden kann.

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I
Objektivität,
 
In der Psychologie spricht man von Objektivität (etwa einer Diagnose oder eines Untersuchungsergebnisses), wenn die Durchführung, Auswertung und Interpretation der notwendigen Erhebungen unabhängig von der oder den verantwortlichen Person(en) zu den gleichen Resultaten führen. Demzufolge ist zwischen Durchführungs-, Auswertungs- und Interpretationsobjektivität zu unterscheiden. - Tests.
II
Objektivität
 
die, -, erkenntnistheoretischer Begriff für die überindividuelle, unabhängig vom einzelnen Subjekt bestehende Wahrheit eines bestimmten Gegenstandes (Objekt) oder Sachverhaltes; in Wissenschaft und Forschung verbindliches Kriterium für die intersubjektive Geltung von Aussagen, Betrachtungsweisen, Erkenntnismethoden und Darstellungsverfahren. Objektivität weist sich aus durch formale Notwendigkeit und allgemeine Überprüfbarkeit einer Aussage oder Erkenntnis (Intersubjektivität), bei angestrebter Ausschaltung subjektiver Einflüsse (Sympathie, Aversion) und Wertneutralität (Wertfreiheit). Der Begriff Objektivität an sich steht weder für »Realität« noch für »Materialität«, sondern bezeichnet allgemein das Verhältnis zwischen Erkenntnisgegenstand und erkennendem Subjekt (Aussage über den Gegenstand), wobei Objektivität letztlich nur auf subjektive Weise festgestellt werden kann.
 
 
und Mathematik erfüllen den Anspruch auf Objektivität am ehesten, insofern das formale Wesen ihrer »Gegenstände« zu einem Abstraktionsniveau des Denkens führt, das notwendig neutral-theoretischen Charakter hat. Die objektive Gültigkeit logischer Urteile beruht ausschließlich auf dem Gesetz des reinen Verstandes, nach Regeln zwingend zu schließen. Die Naturwissenschaften erreichen für ihre Erkenntnisse zumindest annäherungsweise Objektivität, indem sie ihren jeweiligen Forschungsgegenstand mit logisch-mathematisch begründeten Untersuchungsmethoden behandeln und somit zu analytisch gewonnenen Einsichten gelangen. Ebenso bedient sich die Philosophie, soweit sie den »sicheren Gang einer Wissenschaft« (I. Kant) einschlagen will, logisches Mittel, um ihre Inhalte und Ideen begrifflich zu bestimmen und für ihr Verfahren Objektivität zu erzielen. Die objektive Wahrheit der philosophischen Erkenntnis bestünde in der gesuchten Übereinstimmung des zu bestimmenden Begriffs mit der Sache (Idee), die den Inhalt des Begriffs ausmacht. Weitaus schwieriger gestaltet sich die Objektivierung in den empirischen Sozialwissenschaften, deren Erkenntnisse weitgehend an das subjektive Erleben des Einzelnen gebunden sind, wobei sich v. a. bei Psychologie, Soziologie und Politologie die Frage nach der Möglichkeit statistisch herstellbarer Objektivität wissenschaftlicher Aussagen stellt (Validität).
 
Die primär auf subjektiver Wertung beruhenden Kultur- und Geisteswissenschaften (im engeren Sinn Kunst- und Literaturwissenschaften) können keinen Anspruch auf Objektivität erheben. Objektiv wahre Urteile können weder auf Anschauungsgegenstände der bildenden Kunst noch auf Poesie oder Prosa als Gegenstände individueller ästhetischer Erfahrung bezogen werden, die gerade von der Fülle sinnlicher Eindrücke geprägt und deshalb nicht objektiv bestimmbar sind. In der Publizistik ist Objektivität (hier oft im Sinne von Unparteilichkeit) ein zentrales Anliegen journalistischer Berichterstattung, das aber an der jeweiligen Perspektive und der Ausschnitthaftigkeit der einzelnen Information seine Grenze findet. Auch in der Geschichtswissenschaft werden heute die Standortgebundenheit des Forschers, die Selektivität seiner Wahrnehmung und seine interessengeleitete Forschungsperspektive als unabdingbare Voraussetzungen der wissenschaftlichen Erkenntnis betont.
 
 
Histor. O., hg. v. J. Rüsen (1975);
 
O. in den Natur- und Geisteswiss.en, hg. v. W. Becker u. a. (1976);
 H. Nagl-Docekal: Die O. der Geschichtswiss. (Wien 1982);
 
Wie objektiv sind unsere Medien?, hg. v. G. Bentele u. a. (1982);
 U. Hartmann u. M. Jourdan: Erziehungswiss. u. O. (1987);
 
Mythos Wertfreiheit? Neue Beitrr. zur O. in den Human- u. Kulturwiss.en, hg. v. K.-O. Apel u. M. Kettner (1994).

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Ob|jek|ti|vi|tät, die; -: objektive (2) Darstellung, Beurteilung o. Ä.: wissenschaftliche O.; ... das andere (= Selbstbildnis) kühl und mit dem Anschein hoher O. gezeichnet (Hesse, Steppenwolf 58); ..., weil sich das Gericht nicht um O. bemüht hat (Kuby, Sieg 429).

Universal-Lexikon. 2012.

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